Aktuelle Programme

2025/2026

„Blessed City, Heavenly Salem –
O Pray for the Peace of Jerusalem“

Konzert für Chor & Orgel

Charles Hubert Hastings Parry (1848 – 1918)
I was glad when they said unto me

Edward Cuthbert Bairstow (1874 – 1946)
Blessed City, Heavenly Salem

Arvo Pärt (*1935)
An den Wassern zu Babel

Louis Vierne (1870 – 1937)
Kyrie und Agnus Dei
aus „Messe solennelle“ op. 16

Pēteris Vasks (*1946)
Dona nobis pacem

Herbert Howells (1892 – 1983)
O Pray for the Peace of Jerusalem

Charles Villiers Stanford   (1852 – 1924)
How Beauteous Are Their Feet
Ye Choirs of New Jerusalem

alternative Stücke im Programm:
George Rathbone (1874 – 1951)
Rejoice in the Lord always

Frank Lynes (1858 – 1913)
I was glad when they said unto me

Caspar Ett (1788 – 1847)
Blessed City, Heav’nly Salem
Tune “Oriel”
Harmonization: William Henry Monk (1823 – 1889)
Descant: Alan Gray (1855 – 1935)

In einer Zeit, in der die Welt von Unsicherheit, Spannungen und Gewalt geprägt ist, gewinnt ein Wort neue Dringlichkeit: Frieden. Was so oft als politische Forderung oder diplomatisches Ziel erscheint, beginnt im Innersten – im Menschen selbst, im Gebet, in der Hoffnung. Dieses Konzert lädt dazu ein, Frieden nicht nur zu fordern, sondern zu hören, zu erspüren, zu erbitten – durch die Sprache der Musik.

Unter dem Titel „Blessed City, Heavenly Salem – O Pray for the Peace of Jerusalem“ erklingen Chorwerke von der Spätromantik bis zur Moderne, die auf je eigene Weise den uralten Ruf nach Frieden aufnehmen. Der Bogen reicht von majestätischen Krönungshymnen über liturgische Messegesänge bis hin zu stillen, kontemplativen Klagepsalmen. Die musikalischen Stimmen stammen aus England, Frankreich, Estland, Lettland – aber sie sprechen alle in eine Gegenwart, die Frieden dringend braucht.

Zugrunde liegen viele dieser Werke biblische Texte: Psalm 122, die Vision des himmlischen Jerusalems aus der Offenbarung, der Klagepsalm 137, liturgische Bitten wie das „Kyrie eleison“ und das „Dona nobis pacem“. In all diesen Texten spiegelt sich die tiefe spirituelle Erfahrung des Menschen zwischen Verlust und Hoffnung, Exil und Heimkehr, Stille und Lobpreis.

Musikalisch erwartet Sie eine eindrucksvolle Reise durch Klangwelten:

– die festliche Pracht britischer Kirchenmusik bei Parry und Stanford,
– die mystische Dichte französischer Liturgie bei Louis Vierne,
– die radikale Einfachheit und spirituelle Tiefe der Werke von Arvo Pärt und Pēteris Vasks,
– die zarte Klangsprache Herbert Howells’, durchzogen von persönlichem Leid und leiser Hoffnung.

Dieses Konzert ist kein rein ästhetisches Ereignis, sondern ein Raum, in dem Musik zum Gebet wird. Wir laden Sie ein, sich berühren zu lassen – von den Texten, den Klängen, den inneren Bildern. Vielleicht ist es ein Moment des Trostes, vielleicht eine neue Sicht, vielleicht eine stille Bitte.

 

2026

Et exspecto resurrectionem mortuorum

Nicolas Gombert (* um 1495 † um 1560)
Media vita in morte sumus

Orlando di Lasso (1532 – 1594)
Psalmus Poenitentialis II
Beati quorum remissæ sunt iniquitates

Francesco Cavalli (1602 – 1676)
aus: Missa pro defunctis à 8 voci e Basso continuo
Requiem aeternam
Kyrie
Libera me

Luigi Cherubini (1760 – 1842)
Credo G-Dur für zwei gemischte Chöre und Basso continuo

Das Programm steht unter dem Leitwort „Et exspecto resurrectionem mortuorum“„und ich erwarte die Auferstehung der Toten“. Diese zentrale Aussage des christlichen Glaubens bildet den geistigen Rahmen einer musikalischen Reise durch mehrere Jahrhunderte europäischer Musikgeschichte. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung und Weitergabe der franko-flämischen und italienischen Vokalpolyphonie, deren kompositorische Prinzipien sich über Generationen hinweg fortschreiben und in immer neuen Ausdrucksformen wiederfinden.

Den Ausgangspunkt bildet Nicolas Gombert, einer der bedeutendsten Vertreter der franko-flämischen Schule der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Seine Motette Media vita in morte sumus ist beispielhaft für die dichte, kontinuierliche Polyphonie dieser Tradition. Die Stimmen sind gleichberechtigt miteinander verflochten, klare formale Zäsuren treten zugunsten eines unaufhörlichen Klangflusses zurück. Diese kompositorische Verdichtung verstärkt die existenzielle Aussage des Textes: das Bewusstsein der Vergänglichkeit des Menschen und die hilflose Ausgesetztheit gegenüber Tod und Gericht. Gomberts Musik verzichtet weitgehend auf äußerliche Dramatik – ihre Wirkung entsteht aus innerer Spannung und geistiger Konzentration.

Orlando di Lasso, selbst in der franko-flämischen Tradition verwurzelt und zugleich in ganz Europa wirkend, führt diese Linie weiter und öffnet sie zugleich für eine differenziertere, stärker textbezogene Ausdrucksweise. Im Psalmus Poenitentialis II – Beati quorum remissae sunt iniquitates verbindet er polyphone Meisterschaft mit einer klaren rhetorischen Gestaltung des Textes. Die dichte Stimmführung bleibt erhalten, wird jedoch flexibler und transparenter. Lasso reagiert sensibel auf die Bedeutung einzelner Textpassagen und lässt so die innere Bewegung von Schuld, Reue und Vergebung unmittelbar hörbar werden. Die franko-flämische Polyphonie wird hier zum Träger persönlicher, fast intimer Glaubenserfahrung.

Mit Francesco Cavalli und seiner Missa pro defunctis tritt die italienische Tradition der Vokalpolyphonie in den Vordergrund, die ihrerseits stark von der franko-flämischen Schule geprägt wurde. In den ausgewählten Sätzen Requiem aeternam, Kyrie und Libera me verbindet Cavalli polyphone Satztechniken mit den neuen Ausdrucksmitteln des Frühbarock. Die Mehrchörigkeit, die klare Gliederung der musikalischen Form und der Einsatz des Basso continuo verleihen der Musik eine gesteigerte Affektwirkung. Dennoch bleibt die polyphone Denkweise spürbar: Die Stimmen agieren nicht als bloße Begleitung, sondern tragen gemeinsam die liturgische Aussage. Die Bitte um ewige Ruhe und Erlösung erhält dadurch eine eindringliche, gemeinschaftliche Dimension.

Den Abschluss bildet das Credo in G-Dur von Luigi Cherubini, in dem sich die lange Tradition der Vokalpolyphonie in klassischer Form neu manifestiert. Cherubini greift bewusst auf doppelchörige Techniken zurück, die sowohl an die franko-flämische als auch an die italienische Kirchenmusik erinnern. Gleichzeitig ist seine Tonsprache von klassischer Klarheit und formaler Strenge geprägt. Die großen Glaubensaussagen des Credo – insbesondere das Bekenntnis zur Auferstehung der Toten – werden in weit gespannten, kraftvollen Klangbildern gestaltet, die individuelle Stimmen in einen übergeordneten, gemeinschaftlichen Ausdruck einbinden.

Die Werke stehen in einer fortlaufenden Traditionslinie der Vokalpolyphonie, die sich über mehrere Jahrhunderte von der franko-flämischen Renaissance über die italienische Kirchenmusik bis in die Klassik hinein erstreckt. Trotz aller stilistischen Veränderungen bleibt der Kern derselbe: die Verschmelzung individueller Stimmen zu einem gemeinsamen musikalischen Bekenntnis. Das Programm macht erfahrbar, wie sich die Tradition der Vokalpolyphonie über Jahrhunderte hinweg wandelt und erneuert und dabei stets ein gemeinsames Ziel behält: dem Nachdenken über Vergänglichkeit, Erlösung und die Hoffnung auf die Auferstehung eine vielstimmige, zeitübergreifende Klanggestalt zu verleihen.

 

 

2025/2026

„…denn dein Licht kommt!“

Chormusik der deutschen Romantik
zu Advent und Weihnachten

mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, 
Heinrich von Herzogenberg, Albert Becker,
Richard Bartmuß, Max Gulbins u.a.

Dieses Weihnachtsprogramm des Berliner Vokalkreises widmet sich der festlichen Chormusik der deutschen Romantik für Advent und Weihnachten. Die Epoche der Romantik, die im 19. Jahrhundert zur Blüte gelangte, brachte eine Fülle geistlicher Chormusik hervor, die bis heute durch ihren warmen Klang, ihre Ausdruckskraft und ihre innige Verbindung von Text und Musik berührt. Im Zentrum stehen Werke, die das adventliche Warten, die Verheißung des kommenden Lichts und die Freude über die Geburt Christi zum Klingen bringen.
David Hermann Engel eröffnet das Programm mit der bekannten Motette Machet die Tore weit, die seit ihrer Entstehung fester Bestandteil des Adventsrepertoires ist. Johann Christian Weeber und Arnold Mendelssohn greifen in ihren Kompositionen ebenfalls die adventliche Erwartung des Königs auf. Heinrich von Herzogenberg, einer der bedeutendsten protestantischen Kirchenkomponisten der Romantik, ist mit mehreren eindrucksvollen Stücken vertreten, darunter Das Volk, so im Finstern wandelt, Freue dich, du Tochter Zion sowie sein Weihnachtslied aus op. 28.
Auch Albert Becker, ein zu seiner Zeit hochgeschätzter Komponist und Dirigent, steuert mehrere Motetten bei, die mit ihrer dichten Harmonik und der feierlichen Klangsprache die ganze Wärme romantischer Chormusik entfalten. Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen geistliche Musik bis heute eine zentrale Rolle im Repertoire spielt, ist mit zwei Sätzen aus den Sechs Sprüchen op. 79 vertreten, die mit ihrer Prägnanz und Klangfülle die ganze Meisterschaft Mendelssohns zeigen.
Daneben erklingen Werke weniger bekannter, aber nicht minder inspirierter Komponisten wie Karl Eduard Nössler, Max Gulbins, Richard Bartmuß, Carl Gottlieb Reißiger und Carl Josef Thiel. Mit ihrer Musik bereichern sie das adventlich-weihnachtliche Repertoire um wertvolle Facetten – von der zarten Innigkeit bis zur festlichen Strahlkraft.
So ist im Konzert ein abwechslungsreiches Programm zu hören, das die Vielgestaltigkeit der romantischen Chormusik hörbar macht: Musik, die tief in der kirchlichen Tradition verwurzelt ist und zugleich den romantischen Ausdrucksreichtum entfaltet. Die Zuhörenden erwartet eine stimmungsvolle musikalische Reise durch Advent und Weihnachten, die in den Chorwerken der Romantik ihren besonderen Zauber findet.